Die zwei Gesichter

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Die Wiederentdeckung der gepflegten Reise

Eine Insel im Atlantik, ein Vulkan und eine gewaltige Portion Renngeschichte. Drei Dinge welche bereits für sich alleine eine Garantie für ein unterhaltsames Wochenende sind.

Doch lassen Sie uns am Anfang beginnen. Am Flughafen Wien, Schwechat – wieder einmal diese Woche – beginnt unsere Reise. McLaren´s Versprechen auf ein vollkommen neues Fahrerlebnis mildert diesmal meine Qual am Security Check. Ja gnädiger Herr, sie müssen den Gürtel ausziehen. Und auch ihr Schlüssel sollte nicht in der Hosentasche bleiben. Manche Menschen scheinen das Durchschreiten des Metallsensors als so großes Vergnügen zu betrachten, dass sie dieses Erlebnis mehrmals hintereinander erleben wollen. Hinter ihnen eine Armee an Geschäftsreisenden mit perfekt einstudierten Handgriffen und penibel vorbereitetem Handgepäck. Erfahrung macht eben den Meister im Alltag.

Schlussendlich im Flieger auf den gewichtsoptimierten Recaro-Sitzen Platz genommen, informiert das ausnahmsweise einmal freundliche Bordpersonal über den verspäteten Start des Fluges – Anschlussflug Adé! Mein Sitznachbar vor mir nutzt die Gunst der Stunde und rammt mir seine Lehne in die Knie. Fliegen hat wahrlich jeglichen Glanz verloren. Zur Rechtfertigung meines Gemüts muss ich gestehen, dass ich noch nie ein Fan öffentlicher Verkehrsmittel war. Und so stelle ich die übliche Hochrechnung an wie lange ich noch Arbeiten müsste, um mir die Mitgliedschaft bei NetJets leisten zu können. Selbst als Student war Reisen ein luxuriöseres Unterfangen. Das eigene Auto war klein, schnell und keiner fragte nach der Größe des Gepäcks.


Was sich jetzt offenbart würde die Techniker in Maranello Tränen in ihre roten Farbtöpfe vergießen lassen.

Nun diesen Luxus hat mir McLaren Automotive für das Wochenende mit dem neuen 570GT versprochen. Eine Art Reise zurück zu den Zeiten in denen das Automobil noch die schlüssigste Alternative für einen schnellen aber doch genussvollen Transport darstellte. Nur das mit dem Reisegepäck will noch überprüft werden – wie schafft man genügend Platz in einem Mittelmotorsportwagen? Als Konkurrenz will hier das Flugzeug genannt werden. Zwei Personen heißt zwei Koffer in „Cabin Size“ Größe.

Tag 2 der Reise. Die Eindrücke der Anreise habe ich erfolgreich mit Champagner beim Empfangscocktail gelöscht. Das Team von McLaren erklärt mir noch freundlich, dass ich bereits etwas spät dran bin und mich beeilen solle. Ich werde zum Lunch am Vulkan erwartet. Ich erwiderte, dass sie doch etwas mehr Vertrauen in Produkt haben sollten. Der 3,8-Liter Biturbo stellt mit 570 PS ausreichend Potential zur Verfügung terminliche Verschiebungen zu egalisieren. Der Blick des Mitarbeiters hatte daraufhin eher wenig mit Vertrauen, sondern mehr mit Besorgnis zu tun. Und diese galt wohl dem Auto und nicht meinem pünktlichen Erscheinen zum Lunch.

Außerdem musste ich auch noch die Platzverhältnisse prüfen. Auch wenn sie mir jetzt unterstellen ich habe eine zu starke Verbindung zu meiner weiblichen Seite. Ein Weekendbag mit einem Paar John Lobb´s und einem Hackett-Blazer muss immer noch in jedes Transportmittel passen. Also Heckklappe auf – gut mitgedacht an der richtigen Seite angeschlagen – erreiche ich das sogenannte „Touringdeck“. Ein mit feinstem Leder ausgekleidetes Gepäckabteil hinter den Sitzen. Meine Kalbsleder-Tasche von R.Horn wird sich hier wohl fühlen. Und sogar für weiteres Gepäck wäre ausreichend Platz. Ich hätte mich doch nicht bei der Auswahl beschränken müssen. Und wieder dieser Blick des McLaren Teams. Zu ihrer Beruhigung unterdrücke ich meine Beratungsresistenz und lass mich doch auf eine kurze Einschulung ein. In die Option der getrennten Anpassung der Kennstufen von Fahrwerks- und Motor/Getriebecharakteristik sind sie besonders verliebt. Die Gemeinsamkeiten mit meinen Classic Mini aus der Studentenzeit sind verschwindend gering. Außer der britisch verpflichtenden Herkunft, dem mit Leder überzogenen Armaturenbrett und dem Geruch der Tradition finde ich hier wenig Verbindung.

Nun der Lunch ruft und die 506 PS Leistungsdifferenz zum Mini müssen ausgenützt werden. Erste Etappe Autobahn – noch etwas verhalten. Meine bescheidenen Spanisch Kenntnisse werden einfach nicht ausreichen um einem Exekutivorgan zu erklären, dass sein jämmerlicher Seat weniger als meine Karbonfrontschürze kostet und er ihn deswegen von selbiger entfernen soll. Zeit um sich mit der geliebten Elektronik zu spielen. Alles auf Komfort und siehe da, McLaren hat sein Versprechen gehalten. Die Fahrt gestaltet sich erstaunlich gemütlich. Ich komme beinahe in die Versuchung diverse Telefonate zu führen und falle dann doch in einen entspannten Gemütszustand und erinnere mich daran, dass als Student das Telefonieren im Ausland noch teuer war. Die freundliche Stimme des Navigationssystems unterbrach meine Ruhe und forderte mich in perfekten British English dazu auf, die Autobahn doch Richtung Landstraße zu verlassen. Selbst digitale Briten leben die Höflichtkeit.

Bereits 13 Minuten hinter der Zeit und eine kurvige Straße vor mir – die Zeichen stehen auf Sport. Oder in diesem Fall die Einstellungen für die Fahrzeugcharakteristik. Und siehe da, der zurückhaltente Genosse von der Insel lockert die Krawatte, legt den Tweet-Blazer ab und zeigt sein wahres Gesicht. Kurve eins, Kurve zwei, der McLaren 570 GT schluckt den Asphalt wie seine Landsleute das Bier in Palma de Mallorca. Und selbst in der Lautstärke steht er ihnen um nichts nach. Kurve drei, und die Hinterachse verliert auf der ersten Bodenwelle die Traktion. Ein kurzer, kontrollierter Ruck am Lenkrad und das neuentdeckte Biest steht wieder so wie es soll. In typisch britischer Manier hüllt der 570GT den Fahrer in ein geborgenes Gefühl der Sicherheit, den Wagen jederzeit unter Kontrolle zu haben. Doch die 13 Minuten Verspätung werde ich so nicht einholen. Also zurück zum Setup. Die Fahrwerkscharakteristik auf „Normal“ und das Doppelkupplungsgetriebe in den „Pünktlichkeit ist eine Tugend“ beziehungsweise „Race“ Modus.

Was sich jetzt offenbart würde die Techniker in Maranello Tränen in ihre roten Farbtöpfe vergießen lassen. Kurve vier, Kurve fünf, langsam aber doch geht mein Mut in Leichtsinn über. Dieses Ding lässt sich einfach nicht aus der Ruhe bringen. Einlenken, festhalten und durch – die Parallelen zu einem Classic Mini sind doch gegeben. Endlich habe ich auch den Nebel durchdrungen und der Ausblick auf die Abgründe neben der Strecke sollte mich zur Entschleunigung ermahnen. Doch die physikalischen Reserven des 570GT motivieren mich eher zur Beschleunigung. Die Pinienwälder entdichten sich und der Ausblick auf endlosen Täler vulkanischen Gesteins erzeugen eine surreale Stimmung. Ein kurzer Blick auf die Navigation zeigt, aus der Verspätung wurde übertriebene Pünklichkeit.

Ich habe 4 Minuten Lebenszeit gewonnen und der Hunger nach Mehr hat nichts mit dem Lunch zu tun.


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